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Diese Schönheit ist letzter Unterstrich persönlicher Geschmackskultur.

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Aggregatoren, Pressespiegel und das verlegerische Geschäftskonzept

Das war doch eine wirklich lesenswerte Auseinandersetzung und beiden Kontrahenten sei ausdrücklich für das Niveau ihrer Beiträge gedankt.

Nachdem Heribert Prantl qua historischem Zugang über News-Aggregatoren, Urheber- und möglichem Leistungsschutzrecht zu dem Schluss kommt, dass letzteres durch das konsequente Wahrnehmen der bestehenden Urheberverwertungsrechte obsolet sei, kommt Christoph Keese in seiner Replik zu dem Schluss, dass die bestehende Urheberrechtslage in Sachen Wahrnehmung von Erst- und Zweitverwertungsrechten Lücken aufweise, die per Leistungsschutzrecht geschlossen gehören. Unabhängig, wem man zustimmen mag, gehen beide auf eine ausgesprochen interessante Frage ein, wenngleich es hier wie da etwas an lizenzrechtlicher Detailkenntnis mangelt.

Inwiefern das Angebot von News-Aggregatoren womöglich als digitaler, überdies vergütungspflichtiger Pressespiegel einzustufen sei. Während Prantl lediglich auf die entsprechende Schrankenregelung im Urheberrecht und die Wahrnehmungs-berechtigung durch die VG Wort eingeht, ist Keese in dieser Thematik anzurechnen, dass er die PMG Presse-Monitor GmbH erwähnt.

Das Berliner Unternehmen, den deutschen Zeitungsverlagen und Verlegerverbänden verantwortlich, ermöglicht Unternehmen, Organisationen und Behörden die urheberrechtlich einwandfreie Nutzung von Zeitungsinhalten in digitalen Pressespiegeln. Auf diesem Feld ist die PMG nicht seit gestern, sondern seit nunmehr elf Jahren erfolgreich tätig und darf qua eigenständiger Medienbeobachtungsdienstleistungen,  verschiedener Kooperationen mit diversen Medienmonitoring-Unternehmen als auch der VG Wort als alter Hase im Paid-Content-Business gelten. Es kann vorbehaltlos unterstellt werden, dass das Unternehmen die recht hitzige und bisweilen hysterische Debatte um Urheberrecht und Leistungsschutz mit gewisser Gelassenheit verfolgt.

Die Nutzungsform journalistischer Inhalte: Selektives Lesen

Die Debatte um Refinanzierungsmöglichkeiten von Online-Presse und die vermeintlich kannibalisierenden News-Aggregatoren wie Google-News, Rivva, netvibes oder dem erst kürzlich von FAZ und SZ abgemahnten Echobot ist ja bereits länger im Gange; Keese sieht hierin schließlich die Daseinsberechtigung für ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage. Verwunderlich an der Debatte ist, dass die Pressespiegelanalogie erst jetzt gezogen wird.

Zum besseren Verständnis ist die Vergegenwärtigung der Rezeption journalistischer Inhalte im Netz hilfreich. Niemand liest den Webauftritt einer Zeitung in der Form „durch“, wie das bei der gedruckten Printausgabe der Fall wäre (wobei selbst das ausgesprochen zweifelhaft ist). Durch das Überangebot an Informationen fällt das Lesen im Web weitaus selektiver aus. Kurzum: Gelesen wird nur, was leserindividuell von Interesse ist. Dies erfolgt aber webseitenübergreifend. Wer online Zeitung liest, frequentiert in aller Regel mehrere Zeitungsseiten, je nach Anspruchslage dürfte der Einstieg häufig über Spiegel Online oder bild.de erfolgen. Wird hierbei ein Artikel entdeckt, der auf das Interesse des Lesers stößt, liegt nichts näher, als sich umzuschauen, was darüber hinaus zum entsprechenden Thema zu finden ist In der Praxis bedeutet dies den Absprung von der Website: Vielleicht zur nächsten Zeitung-Website, vielleicht aber auch zu Google oder der Wikipedia?!

Wer dergleichen in ausführlicher Form betreibt, dem wird das wiederholte Absurfen der immer gleichen News-Sites irgendwann zu bunt und richtet sich einen Account bei einem News-Aggregator ein, über den er sich qua Einbindung von RSS-Feeds seine individuelle Compilation aus journalistischen Inhalten zusammenbaut.

Das ist überdies problemlos möglich, schießt doch praktisch jede Zeitungsseite ihre Inhalte via RSS ins Web hinaus, wenn man Glück hat gar ressortspezifisch. Dass sich Verleger angesichts eines solchen Umgangs mit dem eigenen Content dann noch wundern, warum es News-Aggregatoren, die im Grunde nichts anderes tun, als diesen wieder einzusammeln, eigentlich gibt… ja, da ist eigentlich nicht mehr zu helfen.

Ob nun aber via Surfverhalten oder strukturiert via Feedreader: Die individuelle Lektüre journalistischer Inhalte stellt sich als leserspezifische Zusammenstellung derjenigen Inhalte dar, die von Interesse sind.  Nichts anderes ist ein Pressespiegel – eine medienübergreifende, individuelle Compilation an Inhalten, die als relevant eingestuft werden.

News-Aggregatoren als Pressespiegel

Das allerdings ist nur die eine Seite der Medaille. Keese ist zuzustimmen, wenn er bemerkt, dass vor verwertungsrechtlichem Hintergrund nicht jeder News-Aggregator als Pressespiegeldienstleister zu betrachten ist. In urheberrechtlicher Perspektive nämlich stellt sich ein Pressespiegel per definitionem als nichtprivate, in der Regel also gewerbliche Nutzungsform journalistischer Inhalte in Form von Volltexten dar. Und die über das urheberrechtliche Verwertungsrecht zulässige Vergütungspflicht für Pressespiegel leitet sich in erster Linie daraus ab, dass Presseartikel an die Mitarbeiter eines Unternehmens weitergereicht werden, was – und das ist der lizenzrechtlich relevante Punkt – zuvorderst deren Vervielfältigung bedeutet.

Die Angebote der Aggregatoren aber werden natürlich auch von Privatpersonen genutzt und von einer Vervielfältigung der Volltexte kann auch nicht gesprochen werden. Das Problem stellen ja die Snippets dar, deren rechtlich unklare Hybris irgendwo zwischen Zitat- und Urheberrecht liegt. Keese ist daher zuzustimmen, wenn er schreibt, dass die gegenwärtige Urheberrechtslage in Sachen Pressespiegel nicht geeignet sei, um News-Aggregatoren in die Lizenzpflicht zu nehmen.

Nur zieht Keese daraus die Legitimation für das Leistungsschutzrecht und sieht ungeachtet der urheberrechtlichen Lage nicht die durch die Online-Distribution journalistischen Contents entstandene Gemeinsamkeit zwischen privater und gewerblicher Nutzungsform, die sich in Ermangelung eines besseren Begriffs eben als Pressespiegel darstellt. Gemeint ist damit nichts Anderes als die adressatenspezifische Kombination von Artikeln und zwar unabhängig davon, ob es sich hierbei um private oder gewerbliche Nutzung handelt.

Pressespiegel als verlegerisches Geschäftskonzept

Nimmt man diesen Gedanken aber ernst und unterstellt, dass dies mittlerweile die etablierte Nutzungsform in der Rezeption von Online-Medien darstellt, hat dies ganz erhebliche Auswirkungen auf die Ausgestaltung der verlegerischen Geschäftskonzepte im Internet. Hinsichtlich des Vertriebs journalistischen Contents resultiert hieraus die weitreichende wie fraglos auch schmerzliche Konsequenz, dass man sich von der Zeitung als Produkt verabschieden und als publizistische Einheit des 21. Jahrhunderts den Artikel wird wahrnehmen müssen.

Es ist diese Granularisierung des Contents auf die Ebene der Beiträge und deren nutzerindividuelle Zusammenstellung, die den künftigen Markt für wirtschaftlich profitablen Journalismus beschreibt. Gegenüber der Musikindustrie allerdings – Paid Content auf  itunes oder Amazon funktioniert nicht zuletzt daher, weil die Möglichkeit besteht, einzelne Songs und nicht zwingend ganze Alben zu laden – muss die Verlagsbranche diesen Prozess jedoch nicht als kalte Dusche erfahren.

Als Basis hierfür dient das Konzept Pressespiegel: Innerhalb der gewerblichen Nutzung von Zeitungen längst etabliert, greift es im Kontext des breiten journalistischen Angebots und der Navigationsmöglichkeiten des Webs sowie nicht zuletzt durch die technischen Möglichkeiten der Aggregation von RSS-Feeds nunmehr eben auch bei Privatnutzern.

Angesichts der Online-Reichweiten, mithin des ungebrochenen Interesses an journalistischer Berichterstattung, erscheint es eigentlich nicht vorstellbar, dass sich hieraus kein genuin verlegerisches Geschäftskonzept entwickeln ließe, das es nicht mit RSS-Aggregatoren oder dem albernen Zeitungskiosk im Appstore aufnehmen könnte.

Voraussetzung hierfür aber ist, dass sich die Verlage – so wichtig das Printgeschäft noch ist – nicht als “Randfiguren der holzverarbeitenden Industrie” aufführen, denen das böse Google plötzlich das Wasser abgräbt. Vielmehr gilt es sich als genuin technische Unternehmen innerhalb der Digitalwirtschaft zu begreifen und  hierzu gehört zuvorderst eines – auch hier kann man von Musikindustrie lernen – ein technischer Branchenstandard in Sachen Contentdistribution. Orientiert am Konzept Pressespiegel ist dieser nämlich die Voraussetzung für die Entwicklung interessengeleiteter und leserindividueller Verlagsprodukte.

Die PMG Presse-Monitor GmbH im Übrigen regelt nicht nur die urheberrechtliche Absicherung von Pressespiegeln. Sie betreibt, bestückt mit den Artikeln aus 1.700 Printmedien, auch Deutschlands größte Online-Pressedatenbank und zwar auf Basis eines einheitlichen und hochgradig interoperablen XML-Formats. Anders ausgedrückt: Das Unternehmen definiert mit seiner Datenbank und der digitalen Verfügbarkeit von etwa 90 Prozent der deutschen Printpresse defacto einen digitalen Datenstandard für journalistischen Content in Deutschland. Das Potenzial, das sich hieraus für das publizistische Geschäftskonzept des 21. Jahrhunderts bietet, darf als ausgesprochen interessant gelten.

Kurzum: Im Grunde ist alles da. Wir haben die Leser, wir haben das Internet, wir haben den Content und wir haben den Datenstandard – was will man eigentlich noch mehr? Man muss es nur noch machen.

Kategorie: medien
  • Pascal Schwarz sagt:

    “(…)Kurzum: Im Grunde ist alles da. Wir haben die Leser, wir haben das Internet, wir haben den Content und wir haben den Datenstandard – was will man eigentlich noch mehr? Man muss es nur noch machen.”

    Tja, schön beschrieben! Nur: das der Deutsche sich eben lieber jahrelang bis auf’s Messer um die schönsten Haarspaltereien streitet und dabei vergisst, was um ihn herum passiert. Und dann stellt er fest, dass andere mal wieder schneller waren und ist beleidigt und verteufelt alles Neue.. Immer wieder schönes Schauspiel!

    Donnerstag, 26. März 2015 um 17:53
  • AshelyErova sagt:

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    Freitag, 17. November 2017 um 17:52

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