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Diese Schönheit ist letzter Unterstrich persönlicher Geschmackskultur.

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Urheberrecht, Leistungsschutz, Total-Buyout…? Schön und schlecht, wo aber bleibt das Geschäftsmodell?

Nachdem der presseschauder die Trommel für ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage schon seit Monaten schlägt, nimmt die damit verbundene Urheberrechtsdebatte mit den zunehmenden politischen Erfolgen der Piratenpartei nun durchaus Fahrt auf.  Bühnenwirksam bis hysterisch nicht zuletzt durch Auftritte von Sven Regener, irgendwelcher Tatortautoren oder des vom Handelsblatt unter dem Label „Mein Kropf gehört mir“ entlarvten Angriffs auf die Kreativwirtschaft des versammelten Abendlandes durch die Raub- und Kostenloskultur der sogenannten Netzgemeinde.

Dem gegenüber stehen wortgewandte und so lakonisch wie geistreiche Online-Journalisten wie Stefan Niggemeier, Thomas Knüwer oder Christian Jakubetz  und nicht zuletzt sogar Verlagsleiter. Hier wird der Sinnlosigkeit einer solchen Gesetzgebung und der Raffgier der als so bezeichneten Verwertungsindustrie das Wort geredet, die qua Total-Buyout den eigentlichen Schöpfern des Journalismus sämtliche Verwertungsansprüche an Ihren eigenen Texten raubt, schlicht Kasse machen will und hierüber die eigentliche Kostenloskultur entlarvt.

Dass auch in der Verlagsbranche Zustände existieren, deren Verbesserung wünschenswert wäre, mag wohl sein – die Gestaltung von Autorenverträgen gehört mutmaßlich dazu. Das aber trifft doch mehr oder weniger auf jede Branche zu – wir sind doch immer erst tot, wenn wir nichts mehr zu meckern haben!

Das Problem bleibt die Wirtschaftlichkeit

Was aber hat das mit Online-Journalismus, dem Urheberrecht oder damit zu tun, dass die Forderung nach einem Leistungsschutzrecht nachgerade jetzt so lautstark gestellt wird? Kern und Ausgangspunkt der Debatte hierfür und dies ist doch für Journalisten wie für Verleger gleichsam von Belang: das Fehlen eines tragfähigen Geschäfts- respektive Erlösmodells für die Refinanzierung der Online-Distribution journalistischer Produkte. Der Vertriebsjargon an dieser Stelle sei entschuldigt – und dennoch: Sowohl mit dem professionellen Schreiben, wie allerdings auch vom Verlegen soll doch mittel- bis langfristig irgendwie profitabel gewirtschaftet werden und sei´s, was womöglich etwas zu häufig den journalistischen Alltag bestimmt, um seinen trivialen Lebensunterhalt zu verdienen.

So kritisch – und durchaus auch zu Recht – den Forderungen nach dem Leistungsschutzrecht gegenüberzutreten ist, was ist denn der innovative Gegenvorschlag? Journalisten müssen rein in die sozialen Medien und data-driven-journalism ist die Zukunft – beides ist so sicher, wie das Amen in der Kirche – und dennoch reden wir hierbei über journalistische Methodik, hingegen nicht über Geschäftsmodelle.

Das Dilemma lautet doch, dass die Kostenlosdistribution journalistischer Inhalte qua Onlinepräsenz zwar eine nie zuvor gekannte Reichweite und Konsumption redaktioneller Berichterstattung bewirkt, hingegen nicht dessen Finanzierung durch Einbindung von Reklame erreicht wird. Die Folge ist, dass dies durch die Umsätze der Printprodukte querfinanziert werden muss, deren Anzeigenerlöse wie auch Auflagenzahlen sich im Sinkflug befinden – schlicht weil sich die Rubrikenmärkte längst ins Web verabschiedet haben und schlimmer noch der eigene Online-Auftritt im Grunde die Printausgabe kannibalisiert.

Die daraus resultierenden Effekte aber lassen sich nicht wegdiskutieren: Auf die quartalsweisen IVW-Zahlen freut sich doch schon seit Beginn der 90er kein Zeitungsverleger mehr ernsthaft; von lucky punches wie den Leuten von der “Landlust” einmal abgesehen. Im vergangenen Jahr machten die Vertriebserlöse erstmals mehr als 50 Prozent des Umsatzes aus, während über Jahrzehnte hinaus galt, dass innerhalb eines gesunden Zeitungsverlages zwei Drittel des Umsatzes aus dem Anzeigengeschäft resultieren.

Selbstredend, dieser Prozess vollzieht sich schleichend – noch gibt es sie ja, diese Haushaltstraditionsabonnements, zumal abseits der Großstädte – die Lübecker Nachrichten, die Passauer Neue Presse oder die Rheinpfalz gehören eben auf den Couchtisch und bilden dummerweise das antiquierte Rückgrat des Vertriebsgeschäfts – doch, und genau das zeigt die Entwicklung der Auflagenzahlen nun mehr als deutlich: Zeitungen auf Wohnzimmertischen sind in Sachen Coolnessfaktor eher auf dem absteigenden Ast. Online aber, zumal mobil – future, future!

Paywall, Freemium, staatliche Gebühren? So wird das nichts!

Seitens der Verleger wird dies durchaus registriert, aber warum zünden sie denn nicht, die Versuche dagegen anzusteuern? Es ist ja nun nachgerade eben nicht so, dass sich die Bezahlbereiche von New York Times oder Hamburger Morgenpost – taufen wir das Kind nun Paywall oder Freemium, es kommt letztlich auf Gleiche hinaus: journalistischen Content via Website verkaufen – als die großen Cashcows erweisen, vom Reichweitenverlust mal abgesehen. Und auch die Apps der Verlage werden wohl verkauft, wenn´s brummt gar kostendeckend vertrieben; dass sie im App Store aus den Regalen gerissen werden, lässt sich weiß Gott nun aber nicht behaupten. Der Grund hierfür aber liegt bestimmt nicht in einer über Jahre die Masse der Leser betreffenden anerzogenen Kostenloskultur – Paid Content funktioniert! Gerade der App Store – mit einer unsäglichen Suchfunktion und Unmengen an Schund überdies – hunderte Browsergames, die sich über Freemiumkonzepte refinanzieren, beweisen zu Genüge, dass sich mit digitalem Content durchaus wirtschaften lässt.

Der Punkt aber ist, dass sich die damit verbundenen Geschäftskonzepte gerade nicht adäquat auf den Vertrieb journalistischer Inhalte übertragen lassen, was schlicht an der Besonderheit des genuin verlegerischen Produktes, des Artikels in Textform und den insbesondere mit dieser Mediengattung verbundenen Möglichkeiten des Webs liegt. Diese aber werden tunlichst ignoriert – sorry, aber die Einbindung multimedialer Inhalte, einer Linkschleuder via Twitter und „Gefällt-mir-Buttons“ ist nett und bleibt doch nur ein nettes Gimmick – sodass derzeit jeder Webauftritt und auch jede verlegerische App, abgesehen von etwas mehr Komfort in Sachen Navigation, nicht wirklich mehr als eine digitale Spiegelung einer  gedruckten Zeitung darstellt. So aber läuft das nicht im Web.

Insofern kann man fast dankbar sein, dass dessen Wirtschaftlichkeit nicht durch Bannereinbindung gewährleistet wird; nein Freunde, hier sind echte Produktinnovationen in Sachen „journalistic publishing“ gefragt und anstatt qua langweiligem Leistungsschutzrecht und staatlicher Unterstützung die eigene Ratlosigkeit auf Kosten erfolgreicher Newsaggregatoren wie Google, Facebook, Riwa et. al. auszutragen, muss ein Prozess einsetzen, der ein solides Konzept für die wirtschaftlich erfolgreiche Online-Distribution journalistischer Inhalte zum Ziel verfolgt. Im Zuge der folgenden Wochen und den Beiträgen dieses Blogs werden Gedanken in diese Richtung entwickelt und es wird sich zeigen, dass hierzu die Grundprinzipien des World Wide Webs, so wie diese ursprünglich mal gedacht waren, ein ausgesprochen tragfähiges Gerüst bieten. Angela Merkel brauchen wir ganz sicher nicht um erfolgreich das Kapitel „Journalismus im 21. Jahrhundert“ aufzuschlagen… Ach und Wolf Schneider übrigens schon mal gleich gar nicht (sich von seiner Frau Tweets ausdrucken lassen – also manchmal, ja?!)

Kategorie: medien

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